Die Zwiefachen - Schaubühne am Lehniner Platz

 


Ein Projekt um die Kinderoper "Brundibár" von Hans Krása und Adolf Hoffmeister, deutsch von Matthias Harre und Frank Harders-Wuthenow
Tyrannische Erwachsene und rebellierende Kinder - Unterdrückung und Aufbegehren - Märchen mit schöner Musik in einer unmenschlichen Zeit. »Brundibár« heißt die Oper, geschrieben für Kinder und 1941 heimlich unter den Augen der Nazis im jüdischen Kinderheim Prag uraufgeführt - ihr Libretto schmuggelte man bis ins Ghetto Theresienstadt, wohin ihr Komponist deportiert worden war. »Brundibár« wurde im Lager beliebt, machte Kinder zu stolzen Darstellern und dem Publikum Freude und Hoffnung. Und »Brundibár« diente den Nazis zum Beweis, wie schön das Leben in Theresienstadt ist - bezeugt vor dem Roten Kreuz und der Welt gezeigt in Filmausschnitten in der Wochenschau. Weder ihr Komponist Hans Krása noch die meisten Kinderdarsteller erlebten das Ende von Lager und Nazi-Herrschaft.
Was geht uns das als vierte Generation danach noch an? Was ist, wenn man Zahlen und Phrasen nicht mehr hören kann und trotzdem was verstehen will? Warum konnten aus normalen Menschen Massenmörder werden? Woher habe ich meine Rentnerphobie? Wie darf man das darstellen? Hast du schon mal ernsthaft was riskiert im Kampf gegen Mächtige?
Wir sind die ZWIEFACHEN, Jugendtheatergruppe der Schaubühne, und machen das, was wir noch nie gemacht haben; eine Oper! Zusammen mit Kindern des Chores der Deutschen Oper erzählen wir von den Geschwistern Aninka und Pepicek, die Milch für die kranke Mutter brauchen und gegen den bösen Leierkastenmann Brundibar kämpfen müssen. Unsere Proben sind auch Zeitreisen, Experimentier-Labor und Streitraum. Da wir keine Ur-Opas haben, mit denen wir sprechen können, stellen wir uns selbst und unserem Publikum Fragen, verbotene und erlaubte. Wir fahren nach Terezin/ Theresienstadt und treffen Greta Klingsberg und Eva Hermannová, die damals in »Brundibar« mitgespielt haben. Eine Konfrontation mit dem Zwang zur Betroffenheit, unserem eigenen Kampf gegen die Leierkästenmänner der Macht und mit heutigen rechten Wortergreifungsstrategien.
Es spielen: Alex Bäke, Caroline Blumers, Esteban Diego Cramer Doig, Conrad Friedrich, Wiebke Friedrich, Marilena Grun, Ikra Latif, Marie-Christine Le Vaillant, Astrid Pendarvis, Pegah Samadi Ahadi, David Schmidt, Trang Thu Nguyen, Jacqueline Waldmann, Noah Welcker, Annika Westphal; Regie: Uta Plate; Künstlerische Mitarbeit: Lea-Sophie Aspacher, Wiebke Nonne, Paul Oldenburg; Ausstattung: Lena Heeschen; Dramaturgie: Nils Haarmann; Dirigent: Norbert Ochmann